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"Gorch Fock": Trockenübungen am Mast

Auf dem Gelände der Marineschule Mürwik in Flensburg ist am Donnerstag, 21. Juni 2012,  der neue Übungsmast für die Offizieranwärter offiziell übergeben worden. An dem Zeremoniell nahmen auch der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey (CDU), und der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP) teil. Durch den Mast könne man den Schutzanspruch gegenüber den Offiziersanwärtern in besonderer Weise erfüllen, sagte Königshaus bei der Übergabe. Der Kommandeur der Marineschule Mürwik, Flottillenadmiral Thomas Ernst, bezeichnete den Mast als wesentlichen Baustein im Rahmen der Verbesserung der Ausbildung.

Prominente Gäste bei der Übergabe: Der Wehrbeauftragte Königshaus (l.), Staatssekretär Kossendey (M.) und der Kommandeur der Marineschule, Ernst.Prominente Gäste bei der Übergabe: Der Wehrbeauftragte Königshaus (l.), Staatssekretär Kossendey (M.) und der Kommandeur der Marineschule, Ernst.

Der Aufbau des Übungsmastes ist eine Konsequenz aus der Affäre um tödliche Unfälle und angebliche Schikane auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock". Im November 2010 war eine Kadettin beim Aufentern aus der Takelage gestürzt und gestorben. Daraufhin war eine Diskussion über die Ausbildungsbedingungen auf dem Schulschiff entbrannt.

Trockenübung für Offizieranwärter

Der 1,4 Millionen Euro teure Mast wurde in der Rostocker Tamsen-Werft gefertigt.Er wurde bereits vor gut zwei Monaten angeliefert und aufgebaut, im Juli sollen die ersten Kadetten daran üben. Heute klettern zunächst mehrere Ausbilder nach oben. Der Mast in Mürwik ist nach Angaben der Marineschule ein verkleinerter Nachbau des Originals auf der "Gorch Fock". Durch den Übungsmast sollen die Offiziersanwärter frühzeitig an die Bedingungen auf dem Segelschulschiff gewöhnt werden. Auch könne so die körperliche Eignung der Kadetten überprüft und verbessert werden, heißt es von der Marine.

Über 100 Jahre Tradition

Die deutsche Ausbildungsstätte für Marineoffiziere kann auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurückblicken. Bereits seit 1910 erlernen Kadetten in Mürwik die Grundlagen der Seefahrt. Im Kaiserreich, der Weimarer Republik, in der Nazi-Zeit bis 1945 und wieder seit Aufstellung der Bundeswehr 1956 wurde hier ausgebildet. Dabei lernen die angehenden Offiziere alles über die Schifffahrt. Das Segelschulschiff "Gorch Fock" ist der Marineschule unterstellt und reist als "maritimer Botschafter" Deutschlands um die Welt.

Quelle: NDR

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Für mehr Sicherheit – Ausbildungsmast an die Marineschule Mürwik übergeben

Flensburg, 21.06.2012. Am 21. Juni wurde der Ausbildungsmast zur Segelvorausbildung der Offizieranwärter offiziell an die Marineschule Mürwik (MSM) übergeben. Mit den Worten „Allzeit gute Fahrt und allzeit gute Ausbildung“ zerschnitt der Kommandeur der Marineschule, Flottillenadmiral Thomas Josef Ernst, gemeinsam mit dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung, Thomas Kossendey, das Band zur Inbetriebnahme der Ausbildungsanlage.

„Allzeit gute Fahrt und allzeit gute Ausbildung“ (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Björn Wilke)

Persönlichkeiten aus Politik und Militär waren zu dieser Veranstaltung geladen. Unter ihnen der Präsident der Wehrbereichsverwaltung Nord, Peter Alexander Sauer, der stellvertretende Inspekteur der Marine, Konteradmiral Heinrich Lange, der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hellmut Königshaus sowie der künftige Kommandant des Segelschulschiffes „Gorch Fock“, Kapitän zur See Helge Risch, mit Teilen der Besatzung.

Schnelle Umsetzung

Die MSM übernahm den Ausbildungsmast vom Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR, welches für die Realisierung des Projektes verantwortlich war. Der Leiter des Amtes für Bundesbau im Finanzministerium des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Joachim Graf von Hardenberg, wies in seiner Eingangsrede nicht ohne Freude auf die schnelle Umsetzung des Vorhabens hin, denn von der ersten Idee bis zur Übergabe vergingen nur etwa eineinhalb Jahre. „Aber ich freue mich noch viel mehr für die Kadetten, deren nächster Reise auf der „Gorch Fock“ nun nichts mehr im Wege steht“, sagte er abschließend.

Wesentlicher Baustein

„Wir können nun unsere Offizieranwärter unter permanent gesicherten Ausbildungsbedingungen und ohne Zeitdruck darauf vorbereiten, was sie an Bord des Segelschulschiffes erwartet.“ Für den Kommandeur der Marineschule ist der Mast ein wesentlicher Baustein zur Verbesserung der Ausbildung. Admiral Ernst sagte aber auch, dass für seine Schule nun die eigentliche Arbeit erst losgehe. Zunächst gelte es, die Ausbilder abschließend zu schulen, um dann mit dem neuen Offizieranwärterjahrgang ab Mitte August die Ausbildung aufzunehmen.

Bundeswehr nimmt Gefahren ernst

„Soldat zu sein ist kein Beruf wie jeder andere. Er ist mit Gefahren verbunden, im Einsatz, aber auch in der Ausbildung und im täglichen Betrieb. Die Bundeswehr nimmt diese Gefahren sehr ernst“, sagte Staatssekretär Kossendey in Hinblick auf die neue Ausbildungsanlage. Er bedankte sich bei allen Beteiligten für die konstruktive und zielgerichtete Zusammenarbeit, die eine schnelle Realisierung des Ausbildungsmastes zur Minimierung von Gefahren ermöglicht hat.
Weiterhin wünschte er „dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ und allen, die darauf dienen, Lehrgangsteilnehmern wie Stammbesatzung, allzeit gute Fahrt und sichere Heimkehr. Die Ausbildungsanlage Mast und Takelage soll und wird ihren Teil dazu beitragen, dass dieser Wunsch sich erfüllt.“

Ausbildung für mehr Sicherheit

Der Übungsmast ist ein verkleinerter Nachbau des Originals auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“. Er ermöglicht den Offizieranwärtern ein realitätsnahes Training, um sie frühzeitig an die Höhe sowie die Bewegungsabläufe und Arbeitsbedingungen in der Takelage zu gewöhnen. Zugleich kann die körperliche Fitness überprüft und gezielt verbessert werden. Durch Sicherheitsleinen mit einer sogenannten Fliehkraftkupplung, die den Offizieranwärtern zusätzlichen Schutz und Sicherheit bietet, können sechs Kadetten gleichzeitig auf dem Ausbildungsmast geschult werden. Eine Beleuchtungsanlage sorgt für den sicheren Lehrbetrieb bei Dunkelheit.
Um die körperliche Leistungsfähigkeit der Offizieranwärter zu steigern und um sie auf das individuelle Klettertraining vorzubereiten, wurde die Sportausbildung an der Marineschule intensiviert. Die Zahl der Unterrichtsstunden wurde um fast ein Drittel erhöht. Erstmals werden die Rekruten der Crew VII/12 ab Mitte August mit der Ausbildung an dem Schulungs- und Ausbildungsgerät „Mast und Takelage“, so die offizielle Bezeichnung des Ausbildungsmastes, beginnen.

Quelle: PIZ Marine

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Kommentar

Maritimer Übungsmast für 1,4 Millionen Euro, ein Fall für den Bundesrechnungshof?

Wenn der Kommandeur der Marineschule Mürwik  den dort neu aufgestellten Übungsmast als „wesentlichen Baustein“ im Rahmen der Ausbildung bezeichnet, so kann man dem – wie bei jedem zusätzlichen Sportgerät – durchaus zustimmen. Wenn allerdings der Wehrbeauftragte zu diesem, seinem eigenen Vorschlag meint, „durch den Mast könne man den Schutzanspruch gegenüber den Offizieranwärtern in besonderer Weise erfüllen", dann ruft so viel mangelnde Sachkenntnis bei "gestandenen Gorch Fock-Fachleuten" doch ungläubiges Kopfschütteln hervor.

Im Hinblick auf die spätere  Praxis an Bord ist so ein statisches  „Klettergerüst“ genauer betrachtet völlig unrealistisch und daher, nach dem umstrittenen „Gorch Fock-Eklat“, allenfalls ein „Feigenblatt für die Öffentlichkeit“; ansonsten aber eher unzweckmäßig und die beachtliche finanzielle Ausgabe von 1,4 Mill. € wäre völlig unnötig gewesen, was im Folgenden begründet werden soll.

Warum unrealistisch?

Der bei der italienischen Marine genutzte Übungsmast ist hier seit 1958 bekannt, als der 1. Kommandant der seinerzeit noch im Bau befindlichen "Gorch Fock" mit einer Delegation der 1. Stammbesatzung abkommandiert, den Dienstbetrieb auf der „Amerigo Vespucci“ kennenlernen sollte. Das italienische Segelschulschiff wurde (damals) ausschließlich von der Stammbesatzung (ohne Klettergerät!) und nicht wie die „Gorch Fock“ vom Lehrgang gesegelt.  Der den italienischen Kadetten lediglich als  Sportgerät an der Marineschule zur Verfügung gestellte Übungsmast wurde später von der deutschen Delegation  als Vorbereitung für den Dienst an Bord kategorisch abgelehnt, da mit dem rein statischen Mast (damals mit darunter gespanntem Sicherungsnetz) keinesfalls realistische Verhältnisse, wie an Bord (durch unterschiedliche Abstände und Abmessungen in der Takelage) und auf See (durch den Einfluss von Wind und Seegang) simuliert werden konnten. Nicht zuletzt aber vor allem, weil unterschwellig eine brandgefährliche Sorglosigkeit aufkommen kann, mit dem späteren Unterbewusstsein an Bord: „Das kenne ich ja schon, da konnte mir ja nichts passieren!"

Diese Gefahr wird aber zweifellos auch gefördert, durch die am hiesigen Mast genutzten, an den Sicherheitsgurten der Rahgasten befestigten Sicherungsleinen, die es auf der „Gorch Fock“ bei der Großzahl gleichzeitig enternder Lehrgangsteilnehmer gar nicht geben kann.  An ihrer Stelle muss daher eher eine ständige Sicherheitsbelehrung über das Verhalten in der Takelage vorrangig sein, denn die größte Gefahr besteht schließlich darin, Gefahren zu unterschätzen!

Auch der (sicher nicht „kostenlose“) Windwarner am Mast, der bei zu hohen Windstärken automatisch Alarm schlägt, erregt ungläubiges Kopfschütteln! Schließlich ist gerade der Wind der Antrieb jedes Windjammers und bei 7 bis 9 Windstärken läuft die „Gorch Fock“ nun mal am besten. Daher werden bei höheren Windstärken auch die Rahgasten zum Los- und Festmachen der Segel in der Takelage benötigt. Wenn man also schon von einem möglichst identischen verkleinerten Nachbau des Originals spricht, so sollten auch dort Windstärken eher genutzt als vermieden werden!

Der Zweck, mit Hilfe eines statischen Übungsmastes sich an die Arbeitsbedingungen auf der „Gorch Fock“ zu gewöhnen, wird im gewünschten Masse leider kaum erreicht werden, weil hier zu einem wesentlichen Teil die Vermittlung völlig anderer, um nicht zu sagen falscher Eindrücke stattfindet.

Warum unnötig?

Der für 1,4 Millionen Euro erstellte Übungsmast möge als rahgetakeltes Klettergerät zur sportlichen Betätigung durchaus eine dekorative wenn auch reichlich kostspielige Bereicherung der altehrwürdigen Marineschule darstellen. Man hätte diese Steuergelder aber sicher sparen können, mit der Verlegung der „Gorch Fock“ an die Marineschule für die gesamte Zeit der Grundausbildung (wie bei anderen Nationen gang  und gäbe!), um so schon von Anfang an langsam aufgebaute Enterübungen (bei denen sich jeder so oft wie gewünscht mit seinem Sicherungsgurt im Want einpicken kann) durchführen zu können. Wobei dann drei Masten gleichzeitig mit ihren Originalabmessungen zur Verfügung stünden und so eine realistische Vorbereitung auf das spätere Leben an Bord erfolgen könnte. 

Zusätzlich aber müsste, für erheblich mehr Sicherheit im Rahmen der folgenden Bordausbildung, eine Verlängerung der Segelvorausbildungszeit auf volle vier Kalenderwochen garantiert werden, so dass abzüglich der Wochenenden 20 reine Ausbildungstage mit Nachtausbildung und Übungen in See vor Beginn der Reise zur Verfügung stehen, auch wenn spätere Ausbildungskonzepte dann vielleicht zeitliche Umstellungen erfordern. Hier sollte die Sicherheit gegenüber zeitlichen Engpässen den absoluten Vorrang haben!

Und die 1,4 Millionen Euro?

Vielleicht wären sie doch in Seniorenheimen oder in Kindertagesstätten ein wenig nutzbringender angelegt worden!

KzS Hans Freiherr von StackelbergDen Kommentar schrieb
Kapitän zur See a. D.
Hans Freiherr von Stackelberg, 
Kommandant SSS "Gorch Fock" 1972 – 1978


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